Intelligentes Wohnen, mehr als nur ein Modewort?

30.09.2015

Wahrscheinlich haben wir es schon tausendmal gehört: In den 80er-Jahren waren Smart Homes Science Fiction, vor 15 Jahren wurden die ersten realisiert, heute sind sie noch eher die Ausnahme, in naher Zukunft werden sie aber die Regel sein. Und dies aus mindestens drei guten Gründen: Sie sind energieeffizienter, sicherer und komfortabler als herkömmliche Bauten. Ihnen gehört die Zukunft!

Wahrscheinlich haben wir es schon tausendmal gehört: In den 80er-Jahren waren Smart Homes Science Fiction, vor 15 Jahren wurden die ersten realisiert, heute sind sie noch eher die Ausnahme, in naher Zukunft werden sie aber die Regel sein. Und dies aus mindestens drei guten Gründen: Sie sind energieeffizienter, sicherer und komfortabler als herkömmliche Bauten. Ihnen gehört die Zukunft!

Denn eines ist sicher: So wie die Vernetzung im Auto Einzug gehalten hat, so wird sie sich früher oder später auch im Heimbereich durchsetzen. „Smart Homes profitieren von Smartphones“, sagt René Senn, Leiter der Initiative Intelligentes Wohnen der Gebäude Netzwerk Initiative GNI. Denn über Smartphones können die Hausautomationssysteme heute sehr einfach und von überall her gesteuert werden. Das macht sie so benutzerfreundlich wie nie und ist eine Chance für die gesamte Branche, die Kunden von den zahlreichen bestehenden Lösungen zu überzeugen. Die Türe zum Smarthome steht also weit offen.

Für Dienstleister stellt sich hier höchstens die Frage, welcher Zeitpunkt für den Einstieg in den zur Zeit noch lukrativen Markt der Vernetzung für sie der optimale ist. Das Angebot an Technologien war noch nie so gross wie heute. Alleine in der Schweiz buhlen neben dem Weltstandard KNX rund 20 weitere mehr oder weniger bekannte Technologien um die Gunst der Kunden.

Der Nachhaltigkeit verpflichtet
Beim Bau intelligenter Häuser sollten wir aber dringend deren Nachhaltigkeit im Fokus behalten. Häuser werden für Generationen gebaut, Smartphones für maximal 150 Wochen. Wir tun also gut daran, in eine Gebäudesystemtechnik zu investieren, die auch noch in 20 Jahren und mehr zuverlässige Dienste leistet. Dass intelligente Technik zur Nachhaltigkeit eines Gebäudes, im Speziellen zu seiner Energieeffizienz beitragen kann, bezweifelt heute kaum jemand mehr. Wo früher noch grosse Server nötig waren, übernehmen heute kleine, energieeffiziente Rechner die Kontrolle. Zunehmend übernehmen diese Rechner auch Funktionen, die das Gebäude wirklich intelligent machen, wie zum Beispiel Optimierung des Energieverbrauches, oder die adaptive Steuerung der Heizung in Abhängigkeit der Wetterprognosen.

Noch nicht wirklich intelligent
Die aktuell verfügbaren Gebäudeautomationssysteme und Geräte sind, und da müssen wir einigen Kritikern recht geben, bös gesagt immer noch relativ dumm, trotz Vernetzung. Wer diesen Satz als Provokation empfindet, soll ihn in 20 Jahren nochmals lesen. Vieles geschieht in den heutigen Automationssystemen noch relativ „statisch“. So zum Beispiel Szenensteuerungen, oder Zentralschaltungen oder vorprogrammierte Abläufe und Funktionen. Zukünftige Technologien versprechen nicht zuletzt dank zunehmender Rechenleistung intelligenter zu werden. Dazu beitragen wird auch die dritte Generation des Internet, das „Internet der Dinge“. Dessen primäre Ziel ist es alle Dinge im Haus mit dem Netz zu verbinden. Es wird die eher „dumme“, einfache, vernetzte Technik wirklich „smart“ machen. Inwieweit sich die neuen intelligenten Technologien den Anforderungen der doch recht chaotisch agierenden Bewohner anpassen werden, ist noch offen. Auch wer bei der Hundertschaft kleiner, einzelner Systeme der Chef bleibt und die korrekte Ausführung garantiert, ist noch ungewiss.

Die Macht der Daten
Durch die globale Vernetzung wird zwangsläufig auch das Thema Sicherheit noch mehr an Bedeutung gewinnen. Denn schon heute stellen unsere Raumsensoren, je nach Hersteller und Systemaufbau, alle unsere Daten nahezu uneingeschränkt ins Web. Sie nutzen dafür eine eigene, einheitliche „globale“ Applikation. Die Daten werden auch im zukünftigen „Smart Grid“ genutzt, das es Energieversorgern ermöglicht, Energie bedarfsgerecht zu verteilen und zu liefern.
Die Daten des einzelnen Individuums seien dafür doch nicht besonders interessant, beruhigt sich der User heute. Das stimmt, zumindest im Moment noch. Wenn ein Energieerzeuger aber über die Daten abertausender einzelner User verfügt, kann er Gewohnheiten erkennen – regionale, länder- und kontinentspezifische. Hier liegt ein grosses Potenzial, das vor allem Firmen aus dem Silicon-Valley bereits erkannt haben.

Denn warum in aller Welt sollte Google sonst 3,2 Milliarden Dollar für den Thermostat- und Feuermelderhersteller Nest Labs bezahlen? Die Antwort lautet: Werbung. Werbung lässt sich umso besser auf die Nutzerinteressen abstimmen, je mehr man über die Nutzer weiss. Nest Labs wertet die gewonnenen Daten aus, um sowohl die Technologie als auch die Wirksamkeit der Werbung zu verbessern. Stellen wir uns doch einfach einmal folgendes Szenario vor: Wir schalten jeden Morgen um 6.35 Uhr das Licht in der Küche ein, und da wir dies mit einem Internet-of-Things-Taster tun, wird dieser Befehl über unsere Visualisierung via Silicon-Valley ausgeführt und registriert. Weil wir am Morgen vermutlich Kaffee trinken, erhalten wir in der Folge vermehrt Nespresso-Werbung. Das System will es so, ich muss mich fügen, oder mich diesem Technologieschritt verweigern.

Politisch ist das Sammeln solcher Daten und Verhaltensweisen höchst brisant und eine Knacknuss, die die nächste Generation lösen muss. Zum Glück agieren heutige Automationssysteme grösstenteils noch lokal im Haus, so dass solche Szenarien noch Zukunftsvisionen sind.

Mehr zum Intelligenten Wohnen ist auf der Webseite der Gebäude Netzwerk Initiative zu finden: www.g-n-i.ch

Über die Initiative Intelligentes Wohnen

Die Initiative Intelligentes Wohnen ist eine Fachgruppe der GNI. In der GNI sind Hersteller,
Systemintegratoren und Dienstleistungsanbieter organisiert, um das Smarthome in der Schweiz nachhaltig zu fördern. Bereits seit dem Jahr 2000 engagiert sich ihre Fachgruppe «Intelligentes Wohnen» für dieses Ziel. Sie organisiert unter anderem Smarthome-Tagungen und ist auch Mitinitiatorin des Jahrbuchs «Intelligentes Wohnen». Die Fachgruppe arbeitet eng mit dem VSRT, dem VSEI und weiteren Verbänden zusammen, denn Vernetzung fordert alle Branchen.

Vertiefte Informationen und Ausbildung sind weitere wichtige Aufgaben der Fachgruppe.

www.intelligenteswohnen.com
www.g-n-i.ch

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