Ist Nachhaltigkeit nur eine Illusion?

04.04.2016

Ist Nachhaltigkeit nur eine Illusion?

Intelligentes Wohnen ist heute kein Luxus mehr, sondern notwendig, um die Gebäudeeffizienz zu verbessern. Mit den meisten Systemen zur intelligenten Gebäudesteuerung lassen sich vielfältige Funktionen einrichten. Wie steht es aber mit ihrer Nachhaltigkeit?

Durchbruch längst geschafft
Das bekannteste intelligente Haus der Schweiz war lange Zeit das Futurelife in Hünenberg. Es wurde im Jahr 2000 realisiert und kann heute auf 16 Jahre mit intelligenten Funktionen zurückblicken. Intelligentes Wohnen ist also längst gelebte Realität, wie es gemacht wird, ist bekannt. Doch nun beginnt eine neue Ära, das SmartHome wird massentauglich. Alleine in der Schweiz wird der Begriff „SmartHome“ heute 8-mal häufiger gegooglet als noch 2011 (Grafik), in Deutschland in derselben Periode sogar 25-mal häufiger. Die Geschichte von PC und Handy zeigen: Was bei der Entwicklung noch komplex, umständlich und nicht für den Massenmarkt gedacht war, wird von den Endnutzern akzeptiert, sobald ein einfaches Plug-and-Play-System verfügbar ist. Gleiches dürfte jetzt im SmartHome-Markt passieren, denn mit der Digitalisierung reduziert sich die Komplexität von Installation und Steuerung sowohl für den Installateur als auch den Endnutzer zunehmend. Die Vernetzung der Dinge über das Internet (IoT, Internet of Things) wird dem SmartHome-Markt nochmals zusätzlichen Auftrieb geben. Etablieren werden sich wohl zwei unterschiedliche Ansätze: zum einen die professionelle Installation mit einer umfassenden Vernetzung gemäss einer langfristigen Strategie, zum anderen die Ad-hoc-Vernetzung, bei der kleinere, unabhängige Systeme dank Netzwerkanbindung miteinander verbunden werden.

Immer kürzere Lebenszyklen
Der Begriff Nachhaltigkeit wurde leider schon so oft verwendet, dass er langsam seine Bedeutung verliert, und dies ausgerechnet jetzt, wo er auch bei den SmartHomes eine wichtige Rolle zu spielen beginnt. Es geht hier nicht um den nachhaltigen, das heisst reduzierten Energieverbrauch im Gebäude, sondern um die Nachhaltigkeit, bzw. die Lebensdauer der SmartHome-Systeme als solche. In der Branche wird stets von Nachhaltigkeit im Sinne eines Investitionsschutzes gesprochen. Zumindest im Bauwesen kommt das Gefühl auf, dass Investitionen für ewig sein sollten. Bei den SmartHome-Systemen sieht es leider ganz anders aus: Bei vielen der neuen, oft kleinen Systeme, die in immer kürzeren Abständen auf den Markt drängen, scheint Nachhaltigkeit kein grosses Thema zu sein. Ihre Software-betriebenen Geräte funktionieren manchmal plötzlich nicht mehr, sei es, weil es die Firma nicht mehr gibt, sei es, weil ein «altes» Gerät den neuesten Softwarestand nicht mehr unterstützt (dem Autor ist dies mit einem ca. einjährigen Gerät selber so passiert). Deshalb überschrieb auch das Magazin „Die ZEIT“ am 5. April einen Artikel zum Thema SmartHome mit dem Satz: «Heute aktuelle Technik, morgen Briefbeschwerer.»

Ein Grund dafür, dass solche «Wegwerf-Systeme» entstehen, ist einfach: Je vernetzter die elektronischen Geräte untereinander sind, desto häufiger sind Sicherheitsupdates und Aktualisierungen nötig. Viele Systeme benötigen zudem einen zentralen Server, der irgendwo auf der Welt stehen kann. Wird er abgeschaltet, ist es auch rasch mit dem Smart Home in den eigenen vier Wänden vorbei. Das ist alles schon passiert.

Nachhaltige Infrastrukturen sind verfügbar
Es gibt aber auch bewährte Systeme, darunter verschiedene Schweizer Bussysteme, die einen viel längeren Lebenszyklus haben als ein Ad-hoc-System oder ein Smartphone. Wir tun also gut daran, beim Bau eines SmartHomes Systeme zu wählen, die in der Anschaffung allenfalls etwas teurer sind, aber in der Langzeitbetrachtung um einiges besser abschneiden.

Dass langlebige Systeme grosse Vorteile haben, zeigt das Futurelife in Hünenberg. Dort werkelt immer noch dieselbe Technik wie vor 16 Jahren, das eingesetzte System (KNX) ist heute noch am Markt. Das heisst jedoch nicht, dass Stillstand herrscht: Derzeit wird die Technik des Futurlife mit neuen Geräten ergänzt, und sie lässt sich bereits übers Smartphone steuern. Beim Bau vor 16 Jahren war die WAP-Technologie das höchste der Gefühle, sie funktionierte zwar ähnlich wie ein Smartphone, war aber längst nicht so komfortabel (ein separater Artikel zum Futurlife folgt in einer späteren Ausgabe).

Die professionelle Installation mit einer umfassenden, langfristig ausgerichteten Vernetzung ist daher die beste und nachhaltigste Lösung für ein Gebäude, das auch morgen noch Up-to-Date sein will. Der Entscheid liegt aber schlussendlich beim Kunden.

Über die Initiative Intelligentes Wohnen

Die Initiative Intelligentes Wohnen ist eine Fachgruppe der GNI. In der GNI sind Hersteller,
Systemintegratoren und Dienstleistungsanbieter organisiert, um das Smarthome in der Schweiz nachhaltig zu fördern. Bereits seit dem Jahr 2000 engagiert sich ihre Fachgruppe «Intelligentes Wohnen» für dieses Ziel. Sie organisiert unter anderem Smarthome-Tagungen und ist auch Mitinitiatorin des Jahrbuchs «Intelligentes Wohnen». Die Fachgruppe arbeitet eng mit dem VSRT, dem VSEI und weiteren Verbänden zusammen, denn Vernetzung fordert alle Branchen.

Vertiefte Informationen und Ausbildung sind weitere wichtige Aufgaben der Fachgruppe.

www.intelligenteswohnen.com
www.g-n-i.ch

Weitere Pressemeldungen